30. September 2017 Bianka Wandersleb

Freude und Entsetzen am Wahlabend

Wahlparty in Bad Frankenhausen, Getränke stehen auf den Tischen und alle starren auf die Leinwand, auf der ARD läuft. Erst ein bisschen allgemeines Geplänkel, dann wird es ernst: 18:00 Uhr, die Prognose erscheint. Die Große Koalition hat hoch verloren, aber wir haben 9 Prozent. Bevor wir uns darüber freuen können, erscheint der Balken für die AfD, wo über 13 Prozent prognostiziert wird. Trotzdem es zu erwarten war, sind wir enttäuscht und entsetzt.
Da wussten wir noch nicht, dass es im Osten noch viel schlimmer kommt. Im Kyffhäuserkreis hat jeder Vierte AfD gewählt, das Direktmandat ging zwar an die CDU, aber auch sie hat hier hoch verloren. Warum wählen die Leute einen Mann, der hier nicht verwurzelt ist, den kaum einer kennt, der hier noch nie aktiv war? Die Abgeordneten- und Parteibüros sind offen für alle und werden auch von der Bevölkerung genutzt und trotzdem haben die Leute kein Vertrauen.
Die Frage steht im Raum: WARUM? Frust, Enttäuschung über die aktuelle Politik kann doch nicht der alleinige Grund sein. Warum dringen unsere Inhalte, die die einzige wirkliche Alternative zu Merkel & Co. sind, nicht zu diesen Leuten vor?
Und warum sind es ausgerechnet die neuen Bundesländer, die so neu nun auch nicht mehr sind? Ist es die Verkürzung auf Flüchtlinge und Nationalismus, worin das Erfolgsrezept liegen soll? In einer globalisierten Welt müssen auch die Probleme global gesehen werden, Umweltverschmutzung, Fluchtursachen, Kriege werden nicht durch Ignorieren verschwinden.
DIE LINKE hat 0,6% dazugewonnen und 5 Mandate mehr errungen, aber unsere Ziele, ein zweistelliges Ergebnis zu erreichen und drittstärkste Partei zu werden, haben wir verfehlt. Am Tag nach der Wahl stand auch fest, dass Thüringen drei Mandate errungen hat und somit Kersten Steinke gemeinsam mit Martina Renner und Ralph Lenkert in den nächsten vier Jahren im Bundestag sitzen wird. Somit hat auch unser Kreis weiterhin eine Vertreterin in Berlin. Sigrid Hupach und Frank Tempel werden leider nicht mehr vertreten sein, das ist eine traurige Tatsache, da beide eine sehr gute Arbeit geleistet haben.
Was ziehen wir als Linke für Schlüsse aus dem Wahltag? Wir müssen uns nun aufrappeln, denn die nächsten Wahlen stehen bald an. Kommunalwahlen, Bürgermeister- und Landratswahlen und 2019 wird auch der Landtag neu gewählt.
Dass es mit der angestrebten Koalition für die Menschen im Land nicht einfacher wird, steht fest. Es wird ein (noch) wirtschaftsfreundlicherer Kurs eingeschlagen werden, die Schere zwischen arm und reich wird weiter aufgehen. Dann werden die Leute erst recht AfD wählen, wenn wir es nicht schaffen, sie davon zu überzeugen, dass das der falsche Weg ist. Vier Jahre sind nicht viel Zeit, beginnen wir heute damit!

Quelle: http://www.die-linke-kyffhaeuserkreis.de/nc/aktuell/aktuell/detail/artikel/freude-und-entsetzen-am-wahlabend/